Leistungsbeschreibung

 

 

Um die eigenen Potentiale der Kinder und Jugendlichen, mit Blick auf die Entwicklung einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftlichen Persönlichkeit, die in der Lage ist, ihr Leben selbstständig zu gestalten, zu fördern und zu stabilisieren, hat das Kinderhaus Neumüller eine breite Palette von Leistungen entwickelt.

Diese orientieren sich an der individuellen Ausgangssituation des Kindes oder des Jugendlichen und gliedern sich in folgende Angebote: Regelgruppe, Trainingsgruppe, Verselbstständigungsgruppe und Sozialpädagogisch begleitetes Wohnen.

Regelgruppe

Art des Angebotes

Die Regelgruppe mit neun Plätzen für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren ist ein Grundlagenangebot und richtet sich an Kinder und Jugendliche, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht bei ihren Eltern / in ihrer Familie leben können.

Voraussetzungen

Die Bereitschaft der Bewohner sich aktiv in den Hilfeprozess einzubringen. Außerdem gelten die in unserem Kriterienkatalog für Regelgruppenprozesse (siehe Anlage) benannten Grundvoraussetzungen für die Aufnahme in die Regelgruppe.

Rechtsgrundlagen

§§ 8a, 27, 34, 42 SGB VIII (§35a in Einzelfällen und nach individueller Prüfung)

Zielsetzung

Die individuellen psychischen und physischen Ressourcen des Kindes bzw. Jugendlichen werden erfasst, ausgebaut und um den im Hilfeplangespräch aufgestellten Förderbedarf erweitert. Diese können sein:

  • Heimat geben,

  • Erlernen einer selbstständigen und eigenverantwortlichen Lebensführung,

  • Förderung der Persönlichkeitsentwicklung,

  • Kompensation von Entwicklungsdefiziten,

  • Aufbau sozialer Kompetenzen und sozial verträglichem Verhalten,

  • Entwicklung und Stärkung der Fähigkeiten, Zugang zu sozialen Netzen zu finden und stabil zu halten, sowie sich auf diese zu stützen,

  • Integration in Schul- und Ausbildungsgänge,

  • Erlangung von Schul – und Ausbildungsabschlüssen,

  • Normalisierung der Beziehung zum Elternhaus,

  • Rückführung ins Elternhaus,

Der Grad der Zielerreichung (das Ziel wird im Hilfeplan festgelegt) wird regelmäßig durch unseren Kriterienkatalog „Regelgruppe“ überprüft. Sind mindestens 90 % der Kriterien und das Alter von 15 Jahren erfüllt, wird der Wechsel in die Trainingsgruppe vorgeschlagen.

Personenkreis

Dieses Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche die erleben mussten, wie die elterliche Erziehung ausfiel bzw. unzureichend wurde und die aufgrund ihres Alters und/oder ihrer Reife (Entwicklungsstand, soziale Kompetenz) noch nicht eigenverantwortlich alleine wohnen und leben können oder sollen und:

  • deren Erziehung in ihrer Herkunftsfamilie nicht mehr gewährleistet werden kann,

  • die aufgrund stark belasteter Familiensituationen dort nicht mehr leben können, weil sie mit belastenden familiengeschichtlichen Problemen und mit aktuellen biographischen Anforderungen überfordert sind,

  • die ein stabiles und stabilisierendes soziales Umfeld mit regelmäßiger Betreuung brauchen,

  • die nach einem Ausweg aus Verstrickungen in Negativgruppen Gleichaltriger suchen,

  • die Probleme im Legalverhalten zeigen,

  • die Probleme in Schule und/oder Ausbildungsstelle haben,

Akute Drogenabhängigkeit und Suchterkrankung sowie eine starke Körperbehinderung sind ausschließende Kriterien.

Innerhalb dieses Leistungsangebotstyps sind individuelle Schwerpunktsetzungen sowohl vom fallführenden Jugendamt, dem Kind/ Jugendlichen oder dessen Personensorgeberechtigten, als auch dem Leistungserbringer möglich. Näheres hierzu ist im Einzelvertrag festzulegen.

Inhalt der Leistung

Der Einrichtungsträger stellt sicher, dass die Regelgruppe unter fachlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten geleitet und koordiniert wird. Hierunter fällt auch die Qualitätssicherung.

Unterkunft und Raumkonzept der Regelgruppe Boke

Die Regelgruppe liegt am Ortsrand von Boke, einem Dorf im ländlichen Teil der Kleinstadt Delbrück. Direkt am Grundstück befinden sich ein kleines Waldstück und ein Bachlauf. Eine Bushaltestelle ist direkt am Haus. Im Ort befinden sich ein Spielplatz, ein Sportplatz mit Angeboten diverser Sportvereine, eine freiwillige Feuerwehr mit Jugendgruppen und eine katholische Kirche. Weiterhin bietet das Dorf eine Sparkasse, eine Volksbank, verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, einen Frisör, Arztpraxen und eine Grundschule.

Die Einrichtung hält für neun Kinder und Jugendliche (ab sechs Jahre) Einzelzimmer vor, die über zwei Etagen verteilt sind. Diese Raumkonstellation bietet je nach pädagogischem Bedarf die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche nah beieinander oder räumlich getrennt voneinander unterzubringen. Sanitäre Anlagen (Bad und WC) sind in jeder Etage vorhanden. Zusätzlich befinden sich im Erdgeschoss ein Gäste-WC, eine Küche, ein Esszimmer, zwei Gemeinschaftsräume, zwei Wirtschaftsräume, zwei Büros und ein Besprechungszimmer. Das Nachtbereitschaftszimmer befindet sich im 1. Obergeschoss und somit zwischen den Zimmern der Kinder und Jugendlichen. Weiterhin sind eine Werkstatt, zwei Lagerräume, zwei Schuppen und eine Garage vorhanden. Eine Kinderwerkstatt ist in Planung.

In der geräumigen und sehr gut eingerichteten Küche werden die Mahlzeiten für die Kinder unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten zubereitet. So weit möglich werden die Kinder und Jugendlichen in den Prozess der Mahlzeitenzubereitung eingebunden.

In der angrenzenden Waschküche wird die Kleidung der Kinder und Jugendlichen gesäubert. Auch in diesen Prozess werden die Bewohner aktiv einbezogen. Zudem benutzen die Bewohner die ehemalige Waschküche als Seiteneingang und legen hier Mäntel, Jacken und Schuhe ab.

Im Obergeschoss befindet sich ein kleines Appartement mit integrierter Küchenzeile, welches mit der Möglichkeit zur Verselbstständigung junger Erwachsener genutzt wird (Raumplan: siehe Anlage) .

Um die Integration der Kinder und Jugendlichen in die örtlichen Vereine zu fördern und um die sportlichen und kulturellen Angebote des Umlandes zu nutzen, steht ein Transportfahrzeug mit neun Sitzplätzen zur Verfügung.

Konzeptionell bedingt sind die Kinder und Jugendlichen für die Reinigung und Pflege, des eigenen Wohnraumes zuständig. Sie werden vom Träger hierzu angeleitet. Die Reinigung der Gemeinschaftsräume wird vom Träger durchgeführt.

Verpflegung

Die Verpflegung ist Bestandteil der Leistungserbringung durch den Träger.

Soziapädagogische Betreuung

Die Betreuung erfolgt in Form von Einzel- und / oder Gruppenarbeit. Sie umfasst folgende Unterstützungsbereiche:

Persönliche Biographie der Minderjährigen,

Entwicklungsbegleitung,

Erarbeitung sozialer Kompetenz,

Korrektur von Verhaltensauffälligkeiten,

Beziehungsgestaltung,

Vermittlung von Alltagswissen,

Begleitung / Aufarbeitung von Krisen,

Förderung im Schul- und Ausbildungsbereich,

Anleitung zum pünktlichen Besuch von Schule, Ausbildung, Beruf,

Sicherstellung notwendiger medizinischer Versorgung,

Freizeitgestaltung,

Eltern- / Familienarbeit,

Verselbständigung,

Hinführung zu einem eigenständigen Leben, oder zum Wechsel in eine Trainingsgruppe

Die pädagogische Begleitung der Regelgruppe sichert insbesondere die lebenspraktische Unterstützung und Anleitung:

bei der Alltagsbewältigung, Pünktlichkeit, Körperhygiene, Sauberkeit, Kochen und Ordnung in der Gruppe,

bei der Entwicklung einer Tages- und Freizeitstruktur,

bei der Entwicklung einer vorausschauenden eigenen Finanzplanung der Kinder und Jugendlichen,

beim bedarfsgerechten Einkauf von Kleidung etc.,

bei der Vorbereitung und Einnahme einer gemeinsamen Mahlzeit,

Zur Leistung gehört auch die Durchführung von Freizeit- und Ferienmaßnahmen.

Personelle Ausstattung

Die Betreuung erfolgt durch Sozialpädagoginnen / Sozialpädagogen oder Erzieherinnen / erzieher.

Personalanhaltewert: Betreuung: 1 zu 2 (nach individueller Prüfung auch 1:1)

Eingeschränkt werden Haus- und Wirtschaftskräfte aus vorhandenen Ressourcen genutzt.

Umfang der Betreuungsleistung

Betreuung an 365 Tagen (24 Stunden täglich) im Jahr.

Pädagogische Sachmittel

Altersgerechtes Freizeit- und Beschäftigungsmaterial:

Innerhalb der Einrichtung stehen verschiedenste Medien, wie z.B. PC, Fernseher, Hifi-Anlage, Spielkonsole, Kicker, Billardtisch, Gesellschaftsspiele und eine Hausbibliothek zur Verfügung. An heißen Tagen finden die Kinder und Jugendlichen Abkühlung im hauseigenen großen Planschbecken.

Betriebsnotwendige Anlagen und Ausstattung

Vorhalten von Anlagen entsprechend der behördlichen Auflagen und Schutzbestimmungen.

Die großzügigen Außenanlagen unterstützen und fördern das Bewegungsbedürfnis der Kinder und Jugendlichen. Auf dem weitläufigen Areal motivieren Fußballtore, ein Basketballkorb und eine Tischtennisplatte zu Sport und Spiel. Die Sitzecke und der Lagerfeuerplatz mit gemauertem Grill laden zu gemeinsamen Runden ein. Für die Nutzung im Außenbereich geeignetes Spielmaterial / Gesellschaftsspiele sind vorhanden.

Ausstattung der Zimmer und der Nutz- sowie Gemeinschaftsflächen mit altersgerechtem Inventar.

Geschlechtsspezifische Besonderheiten sind zu berücksichtigen.

Der Einrichtungsträger stellt die zur Wäschereinigung und hygienegerechten Aufbewahrung der Lebensmittel sowie die zur Zubereitung der Mahlzeiten notwendigen Anlagen zur Verfügung.

Ausstattung der Mitarbeiterbüros mit üblichem Geschäftsinventar.

Qualitätssicherung und –entwicklung

Auf die Maßnahmen des Trägers zur Qualitätsentwicklung und –sicherung wird an dieser Stelle auf das Konzept der Gesamteinrichtung verwiesen.

Einem Wechsel in die Trainingsgruppe, die Verselbstständigungsgruppe oder in das Sozialpädagogisch begleitete Wohnen muss vom Kostenträger zugestimmt werden.

Leistungsentgelt

Das Leistungsentgelt enthält die Kosten für die pädagogische Betreuung / Versorgung und die betriebsnotwendigen Investitionen. Ferner sind im Entgelt die Kosten der Unterkunft sowie die Kosten für deren Ausstattung und Instandhaltung enthalten.

Im Entgelt sind nicht enthalten und daher im Einzelfall zusätzlich nach SGB VIII zu finanzieren: für junge Menschen ab 15 Jahren unabhängig vom Schulbesuch und die Übernahme von Fahrtkosten in Höhe der günstigsten Monatskarte, sofern keine Fahrtkostenübernahme von anderen Stellen erfolgt,

            • Fahrtkosten zu therapeutischen Maßnahmen,

            • regelmäßige Medikamente

            • Weihnachtsgeschenke

            • Kosten für Bewerbungsmaterialien die monatlich 30,00 € überschreiten

            • mehrtägige Klassenfahrten,

            • Ersteinkleidung soweit erforderlich,

            • Rückzahlung von Einkünften des Jugendlichen, die abgeführt werden müssen

Kommentare sind geschlossen.