Leistungsbeschreibung

      1. Art des Angebotes

Die Verselbstständigungsgruppe ist eine selbständige Betreuungseinheit in Ostenland. Sie verfügt über 3 Plätze für Jugendliche ab 16 Jahren (auch jünger, nach individueller Prüfung) und soll den eingeleiteten Verselbstständigungsprozess vertiefen, erweitern und stabilisieren.

Voraussetzungen

Erreichung der in unserem Kriterienkatalog für Verselbstständigungsprozesse (siehe Anlage) benannten Grundvoraussetzungen (Erreichungsgrad: mindestens 70 %) für die Aufnahme in der Verselbstständigungsgruppe

Rechtsgrundlagen

§§ 27, 34, 41 SGB VIII (§ 35a in Einzelfällen und nach individueller Prüfung)

Zielsetzung

Die Verselbstständigungsgruppe verfolgt aufbauend auf den in der Trainingsgruppe erworbenen (oder bereits vorhandenen) Fähigkeiten, folgende Ziele:

  • Verfestigen einer selbstständigen und eigenverantwortlichen Lebensführung,

  • Verfestigung der Persönlichkeitsentwicklung,

  • Ausbau sozialer Kompetenzen und sozial verträglichem Verhalten,

  • Weiterentwicklung der Fähigkeiten, Zugang zu sozialen Netzen zu finden und stabil zu halten, sowie sich auf diese zu stützen,

  • Integration in Schul- und Ausbildungsgänge,

  • Erlangung von Schul – und Ausbildungsabschlüssen,

  • Unterstützung bei der Beziehungsgestaltung zum Elternhaus,

  • Rückführung ins Elternhaus,

  • die Sicherung/Klärung materieller und finanzieller Ansprüche des Jugendlichen

  • Überleitung in eine eigene Wohnung bei Beendigung der Maßnahme, oder Überleitung in das Soziapädagogisch begleitete Wohnen

Der Grad der Zielerreichung wird regelmäßig durch unseren Kriterienkatalog „Verselbstständigungsgruppe“ überprüft. Sind mindestens 90 % der Kriterien erfüllt, wird der Wechsel in das Sozialpädagogisch betreute Wohnen vorgeschlagen.

Personenkreis

Jugendliche, die in ihrer Fähigkeit Selbstverantwortung zu übernehmen und weitgehende Selbstständigkeit in allen Bereichen, wie z. B. Erledigung von Einkäufen entsprechend des finanziellen Budgets, eigenständige Strukturierung des Tagesablaufes und der Freizeitgestaltung und Fähigkeiten im hauswirtschaftlichen Bereich erlernt haben, aber Unterstützung benötigen.

Das Angebot richtet sich auch an ältere Jugendliche und junge Volljährige als Anschluss an eine andere vorherige Jugendhilfemaßnahme, die für ihre Persönlichkeitsentwicklung und zur eigenverantwortlichen Lebensführung noch eine soziale Einbindung und Betreuung in der Gruppe benötigen und wünschen.

Akute Drogenabhängigkeit und Suchterkrankung sowie eine starke Körperbehinderung sind ausschließende Kriterien.

Innerhalb dieses Leistungsangebotstyps sind trägerindividuelle Schwerpunkt-setzungen möglich. Näheres hierzu ist im Einzelvertrag festzulegen.

Inhalt der Leistung

Der Einrichtungsträger stellt sicher, dass die Verselbstständigungsgruppe unter fachlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten geleitet und koordiniert wird. Hierunter fällt auch die Qualitätssicherung.

Unterkunft und Raumkonzept

Die Verselbstständigungsgruppe liegt in Wittendorf, einem Ortsteil von Ostenland (Delbrück). Eine Bushaltestelle befindet sich in direkter Umgebung.

Im Ort finden sich eine Sparkasse, eine Volksbank, verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, eine Kirche, eine Arztpraxis, eine Apotheke und eine Hauptschule.

Die Verselbstständigungsgruppe hält 3 Einzelzimmer für Jugendliche ab 16 Jahren vor. Die Wohnung liegt im Obergeschoss und verfügt neben den Bewohnerzimmern über eine Küche, ein großes Wohnzimmer und ein Badezimmer. Im dazugehörigen Erdgeschoss befinden sich eine Waschküche mit Waschmaschine und Trockner und ein Mitarbeiterbüro.

Im Außenbereich stehen eine Sitzfläche mit Grillbereich und ein Fahrradschuppen zur Verfügung.

Die durchschnittlich 13 qm großen Einzelzimmer sind mit einer Grundmöblierung (Bett, Schrank, Tisch, Stuhl) ausgestattet. Entsprechend den individuellen Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten, kann der eigene Wohnraum weiter ausgestaltet werden.

In der gut ausgestatteten Küche kann jeder Jugendliche seinen eigenen Bedürfnissen entsprechende Mahlzeiten zubereiten. Hierfür erhält er einen abschließbaren Kühl- und Gefrierschrank.

Konzeptionell bedingt sind die Jugendlichen für die Reinigung und Pflege der Wohngruppe zuständig.

Der Träger berät und kontrolliert.

Verpflegung

Die Verpflegung ist nicht Bestandteil der Leistungserbringung durch den Träger. Den Jugendlichen wird das Verpflegungsgeld wöchentlich (je nach persönlichen Fähigkeiten auch monatlich) und das Bekleidungsgeld monatlich ausgezahlt.

Das Verpflegungsgeld wir vom Kostenträger separat bezahlt.

Um den Jugendlichen auf die spätere Selbstständigkeit vorzubereiten, sollte sich die Höhe des Verpflegungsgeldes an der Höhe des Satzes im Rahmen der Hilfe zum Lebensunterhalt orientieren.

Wöchentlich (1x) wird ein Fahrdienst zum Einkaufen der persönlich benötigten Lebensmittel angeboten. Im Einzelfall besteht die Möglichkeit zu einer intensiven, individuellen Anleitung zur Verpflegung (siehe Punkt 12).

Sozialpädagogische Betreuung

Die Betreuung erfolgt in Form von Einzel- und / oder Gruppenarbeit. Betreuungsumfang / -bedarf werden zu Beginn der Maßnahme individuell festgelegt und in den Hilfeplangesprächen aktualisiert. Dieser umfasst folgende Unterstützungsbereiche (Baukastensystem):

Grundleistung:

  • Persönlichkeitsentwicklung des Minderjährigen,

  • Entwicklungsbegleitung,

  • Stabilisierung sozialer Kompetenz,

  • Ausbau von regelmäßiger Vorbereitung und Einnahme der Mahlzeiten,

  • Beziehungsgestaltung,

  • Ausbau von Alltagswissen,

  • Begleitung / Aufarbeitung von Krisen,

  • Überprüfung der im Schul- und Ausbildungsbereich vereinbarten Ziele,

  • Ausbau der eigenverantwortlichen Gesundheitsfürsorge,

  • Begleitung bei Behördengängen / -anträgen im Kontext des Verselbstständigungsprozesses,

  • Ausbau eigenständiger Freizeitgestaltung,

  • Eltern- / Familienarbeit,

  • Ausbau einer Tagesstruktur,

  • Ausbau von Körperhygiene, Sauberkeit und Ordnung im eigenen Wohnraum und Haushalt (Wäsche, Mülleimer),

  • bei der zusätzlichen Finanzplanung der Jugendlichen,

  • Hinführung zum eigenständigen, oder Sozialpädagogisch begleitetem Wohnen,

  • in der Abschlußphase Vermittlung eines Kostenbewußtseins für Miet- und Nebenkostenabrechnungen

Zusatzleistung:

  • sind Grundleistungen, bei denen im Hilfeplangespräch ein zusätzlicher Bedarf festgestellt wird.

Die pädagogische Begleitung der Verselbstständigungsgruppe sichert im Unterschied zur Trainingsgruppe insbesondere die lebenspraktische Unterstützung und Anleitung nur im Bedarfsfall, d.h. wenn diese Fähigkeiten nicht ausreichend entwickelt sind.

Personelle Ausstattung

Die Leitung erfolgt durch Sozialpädagoginnen / Sozialpädagogen, oder durch eine / einen Erzieherin / Erzieher mit mehrjähriger Berufserfahrung und entsprechender Zusatzqualifikation.

Die Betreuung erfolgt durch Sozialpädagoginnen / Sozialpädagogen, oder durch Erzieherinnen / Erzieher mit mehrjähriger Berufserfahrung.

Personalanhaltswerte: Betreuung: 1 zu 3 (Grundleistung)

Anteilig werden Haus- und Wirtschaftskräfte aus vorhandenen Ressourcen genutzt.

      1. Umfang der Betreuungsleistung

Bei Bedarf Betreuung an 365 Tagen im Jahr. Keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung.

Betreuungszeiten werden individuell vereinbart, wie folgendes Beispiel ( 39 Std wöchentliche Betreuungszeit) darstellt:

Gesamtgruppe (19,5 Std):

Montag: 3 Std Betreuung (Wochenplanung, Planung und Verteilung der individuellen Stunden)

Dienstag: 1,5 Std Betreuung

4,5 Std Organisation (1,5 Std pro Bewohner)

Mittwoch: 3 Std Betreuung

Donnerstag: 1,5 Std Betreuung

Freitag: 3 Std Betreuung

Samstag: 1,5 Std Betruung

Sonntag: 1,5 Std Betreuung

Einzelbetreuung (19,5 Std):

6,5 Std individuelle wöchentliche Betreuungszeit pro Bewohner

In den Betreuungszeiten sind keine zusätzlichen Veranstaltungen (z.B. Begleitung zu Abschlussbällen etc.) enthalten.

Kommt es zu einem zusätzlichen Betreuungsbedarf (z.B. Krankheit des jungen Menschen), muss dieser durch Fachleistungsstunden abgegolten werden.

Pädagogische Sachmittel

Altersgerechtes Freizeit- und Beschäftigungsmaterial.

  • Gesellschaftsspiele

  • elektronische Spiele

  • Zugang zu PC und Internet

  • Betriebsnotwendige Anlagen und Ausstattungen

Zu den Außenanlagen der Einrichtung gehört ein Garten mit einer Terrasse auf der im Sommer gemeinschaftliche Abende verbracht werden können.

Das Grundstück liegt ruhig gelegen am Rande eines Naturschutzgebietes unmittelbar gegenüber einem Waldstück.

Innerhalb der Einrichtung stehen verschiedenste Medien, wie z.B. PC, Fernseher, Hifi-Anlage, Spielkonsole und eine Hausbibliothek zur Verfügung. Auch jugendgerechte Gesellschaftsspiele stehen zur Verfügung.

Die Ausstattung der Zimmer und der Nutz- und Gemeinschaftsflächen geschieht mit altersgerechtem Inventar. Dabei werden geschlechtsspezifische Besonderheiten berücksichtigt.

Der Einrichtungsträger stellt die zur Wäschereinigung und hygienegerechten Aufbewahrung der Lebensmittel sowie die zur Zubereitung der Mahlzeiten notwendigen Anlagen zur Verfügung.

Vorhalten von Anlagen entsprechend der behördlichen Auflagen und Schutzbestimmungen.

Ausstattung des Mitarbeiterbüros mit üblichem Geschäftsinventar.

Qualitätssicherung und -entwicklung

Auf die Maßnahmen des Trägers zur Qualitätsentwicklung und –sicherung wird an dieser Stelle auf das Konzept der Gesamteinrichtung verwiesen.

Einem Wechsel in das Sozialpädagogisch begleitet Wohnen muss vom Kostenträger zugestimmt werden.

Leistungsentgelt

Das Leistungsentgelt enthält die Kosten für Unterkunft (Ausstattung und Instandhaltung) und pädagogische Betreuung, sowie betriebsnotwendige Investitionen (Grundleistung).

Folgende Zusatzleistungen sind im Einzelnen nach SGB VIII gesondert zu verhandeln / finanzieren:

  • für junge Menschen ab 16 Jahren unabhängig vom Schulbesuch Übernahme von Fahrtkosten in Höhe der günstigsten Monatskarte,

  • Fahrtkosten zu therapeutischen und schulischen Maßnahmen,

  • regelmäßige Medikamente

  • Geburtstags- / Weihnachtsgeschenke

  • Schul- /Bewerbungsmaterialien

  • mehrtägige Klassenfahrten

  • Ersteinkleidung soweit erforderlich (Einzelfallprüfung)

  • Kosten für Teilnahme an Ferienfreizeiten

Anmerkung: Nicht aufgeführte und somit nicht verhandelte Leistungen werden auch nicht erbracht.

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