in einer Bereitschaftspflegefamilie

 

Leistungsangebot „Bereitschafts- Pflegefamilie“

Zielgruppe

  • Kinder/ Jugendliche die auf Grund einer Kindeswohlgefährdung nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie leben können und noch kein langfristiger Platz gefunden ist
  • Kinder/ Jugendliche, die auf Grund ihrer Verhaltensweisen nicht mehr in ihrer bisherigen Wohngruppe leben können und Perspektiven erarbeitet werden müssen

 

Ziele

    • Krisenintervention
    • Klärung des weiteren Vorgehens
    • im familiären und professionellen Rahmen den nötigen Schutz, Geborgenheit und Liebe vermitteln/ Halt geben

    • Stärken und Schwächen annehmen

    • Vorbereitung auf die Rückführung in die Herkunftsfamilie bzw. in eine stat. Wohngruppe

Gesetzliche Grundlagen

Rechtliche Grundlage der Arbeit in den Bereitschaftspflege-Familien ist der §42 aus dem Kapitel zwei des achten Buches der Sozialgesetzbücher (Kinder- und Jugendhilfe).

Leistungsmerkmale der Familienberater/ innen

  1. Ausbildung / Qualifikation

Die Familienberater/ innen verfügen über eine abgeschlossene pädagogische Grundausbildung/ Studium. Eine auf Beratung ausgerichtete Zusatzausbildung ist ein weiterer verbindlicher Bestandteil der Qualifikation des Familienberaters. Des weiteren können mindestens 3 Jahre Berufspraxis in der stationären Jugendhilfe nachgewiesen werden.

  1. Akquise, Vorbereitung und Qualifizierung der Bereitschaftspflegeeltern

Bei der Auswahl von geeigneten Familien richten sich die Familienberater/ innen nach fachlichen Standards und der eigenen Intuition. Bereits vor Teilnahme am Vorbereitungskurs überprüft der Familienberater das Vorhandensein bestimmter Ausbildungen/ Berufserfahrungen/ persönlicher Erfahrungen, das Einfühlungsvermögen und klärt die Motivation der interessierten Pflegefamilie. Schätzt der Familienberater die persönlichen und sozialen Kompetenzen als angemessen ein, bietet er die Teilnahme am Vorbereitungskurs an. Erst nach Abschluss des Vorbereitungskurses entscheidet der Familienberater, ob es zu einer Aufnahme kommt.

  1. Vorbereitung/ Durchführung einer spontanen Aufnahme

Der Familienberater begleitet und organisiert den gesamten Prozess der Aufnahme. Er bereitet die Bereitschaftspflegeeltern auf ihre Aufgabe und die spezifischen Besonderheiten des aufzunehmenden Kindes/Jugendlichen vor. Zudem trifft er Absprachen mit allen Beteiligten Personen und Institutionen (z.B. Jugendamt, soziale Einrichtung, Herkunftsfamilie etc.) und stellt eine Vermittlungsposition dar.

  1. Begleitung, Beratung und Unterstützung der Bereitschaftspflegeeltern

Der Familienberater begleitet die Bereitschaftspflegefamilie während des gesamten Betreuungsprozesses. Er bietet regelmäßig stattfindende Beratungskreise mit weiteren Pflegefamilien, individuelle Einzelfallberatung und Unterstützung / Organisation in besonderen Belastungs- und Krisensituationen.

  1. Begleitung der Kinder/ Jugendlichen

Der Familienberater arbeitet intensiv an einer vertrauensvollen Beziehung zu den Kindern/ Jugendlichen und ist auch für diese bei Fragen und in Krisensituationen stets erreichbar und Ansprechpartner. Zwei mal jährlich finden gezielte Wochenendtouren statt, in der die Kinder/ Jugendlichen unabhängig von den Pflegeeltern Zeit und Raum haben, das Gespräch mit dem Familienberater zu suchen.

Umgangskontakte werden vom Familienberater vorbereitet und bei Bedarf begleitet.

  1. Vorbereitung/ Durchführung von externen Kontakten

Der Familienberater pflegt die Kontakte zu allen Fallbeteiligten Personen wie z.B. Jugendamt, Herkunftsfamilie. Bei der Vor- und Nachbereitung von Hilfeplangesprächen unterstützt er die zuständige Pflegefamilie.

Je nach Bedarf hat der Familienberater bei der Kooperation mit Schulen, Therapeuten und anderen Einrichtungen eine mitwirkende Funktion.

Leistungsmerkmale der Bereitschaftspflegeeltern

  1. Qualifikation/ Vorbereitung der Pflegeeltern

Für die Betreuung von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen wird in der Regel der Abschluss einer pädagogischen Ausbildung oder entsprechende Erfahrung vorausgesetzt. Für die Betreuung von chronisch kranken Kindern mit besonderem Betreuung-/ Pflegebedarf wird ein medizinischer oder pflegerischer Abschluss oder entsprechende Erfahrungen vorausgesetzt. In Einzelfällen reicht die Bereitschaft zur Nachqualifikation.

Weitere Voraussetzungen sind die Teilnahme am Vorbereitungskurs (56 Stunden bei Pflegeeltern ohne beruflichen Abschluss; 30 Stunden bei Pflegeeltern mit fachlicher Qualifizierung, bei Aufnahme eines Kindes nochmal 30 Stunden in Bezug auf das Störungsbild/ die Beeinträchtigung des einziehenden Kindes) und die Vorlage eines aktuellen polizeilichen Führungszeugnisses aller erwachsenen Haushaltsmitglieder.

  1. Unterbringung

Die Bereitschaftspflegefamilien stellen ein adäquates Einzelzimmer im eigenen Haushalt zur Verfügung. Dieses ist solide ausgestattet mit mindestens einem Bett, Schrank und Schreibtisch.

Des weiteren erhält das Kind/ der Jugendliche Zugang zu allen weiteren sachlichen Voraussetzungen die ein Kind/ Jugendlicher für seine angemessene Entwicklung in einer Familie benötigt.

  1. Betreuung des Kindes/ Jugendlichen

Die Bereitschaftspflegeeltern bieten einen strukturierten Erziehungsalltag, angepasst auf die altersgemäßen und individuellen Bedürfnisse des Kindes/Jugendlichen. Sie übernehmen die Erziehungsverantwortung im Alltag.

Die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Kinder /Jugendlichen stehen im Mittelpunkt. Den Bereitschaftspflegeeltern ist bewusst, das es sich um ein zeitlich begrenztes Zusammenwohnen handelt und vermittelnd dieses altersentsprechend, um einem zu engen Bindungsaufbau entgegen zu wirken.

Sie vermitteln dem Kind Sicherheit, Geborgenheit und erfüllen seine Grundbedürfnisse. Ein konkreter Erziehungsauftrag besteht nicht. Das Kind soll zur Ruhe kommen und auf seinen neuen Lebensabschnitt vorbereitet und begleitet werden.

  1. Bereitschaft/ Verpflichtungen der Bereitschaftspflegefamilien

Die Bereitschaftspflegefamilien stehen einer vertrauensvollen Beziehung dem Familienberater positiv gegenüber und verpflichten sich, besondere Vorkommnisse und Informationen direkt dem zuständigen Familienberater zukommen zu lassen. Die Wahrnehmung des sog. Staatlichen Wächteramtes ist integraler und transparenter Bestandteil der Beratungarbeit. Die Bereitschaftspflegeeltern verpflichten sich zu einer intensiven  Zusammenarbeit mit dem Familienberater.

Angebotene Fortbildungsveranstaltungen werden regelmäßig wahrgenommen.

Qualitätssicherung/ Fachliche Standards

Weiter- /Fortbildungen

Der Träger verpflichtet sich, den Bereitschaftspflegeeltern ein Fort-/ und Weiterbildungsangebot zu unterbreiten. Jedem Pflegeelternteil stehen jährlich mindestens 2 Elternseminare zu. Die Koordination und Planung von Seminartagen übernimmt der Familienberater. Es können interne wie auch externe Fortbildungsveranstaltungen besucht werden.

Ebenso verpflichtet sich der Träger den Familienberatern ein regelmäßiges Fort- / und Weiterbildungsangebot zu den Themen Kinderschutz, Beratung, Traumata, chronische Erkrankungen etc. zu unterbreiten.

Supervision

Die Familienberater erhalten regelmäßige Supervison durch einen externen Supervisor. Dies fördert die hohe fachliche Qualität, indem das eigene pädagogische Handeln sachlich hinterfragt und neue Lösungswege in der Arbeit mit den anvertrauten Kindern- und Jugendlichen erarbeitet werden.

Entlastung der Pflegefamilien

Die Vernetzung unter den regionalen Pflegefamilien ermöglicht eine gegenseitige Entlastung. Zudem bietet das Kinderhaus Neumüller in den Sommerferien die Möglichkeit einer gemeinsamen Freizeit für die anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Zwei mal im Jahr unternimmt der Familienberater einen Wochenendausflug mit einer Gruppe von anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Zudem ist es möglich in Krisensituationen nach individuellen Entlastungsmöglichkeiten zu suchen. Die Kooperation mit der Haupteinrichtung ermöglicht kurzfristige Entlastung.

Die Bereitschaftspflegeeltern verpflichten sich, nach ihren Möglichkeit innerhalb der angedachten Bereitschaftspflegezeit von bis zu 3 Monaten selber ein kontinuierliches Betreuungs- und Begleitungsangebot zu bieten, um dem Kind häufigen Bezugspersonenwechsel zu ersparen und ihm so ein größtmögliches Gefühl von Sicherheit und Ruhe zu vermitteln. Bei Bereitschaftspflegezeiten die über den angedachten Zeitraum hinaus gehen, ist eine Entlastung gelegentlich durchaus sinnvoll.

Sicherung des Kindeswohls

Der Familienberater übernimmt die Funktion des staatlichen Wächteramtes. Diese Funktion wird mit einer großen Sorgfalt ausgeführt. Hierzu ist der Familienberater im regelmäßigen Kontakt mit den betreuenden Kindern/ Jugendlichen. Standards zur Überprüfung des Kindeswohls sind regelmäßige Hausbesuche (1x Monatlich), 2x jährlich stattfindende Wochenenden für die Kinder/ Jugendlichen ohne die Bereitschaftspflegeeltern und eine ständige Erreichbarkeit für die Kinder und Jugendlichen. Die Basis der Zusammenarbeit zwischen Kind/ Jugendlichem und Familienberater bildet ein hohes Maß an Vertrauen und die Übernahme von Verantwortung durch den Familienberater.

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