Leistungsbeschreibung

Konzeptioneller Grundgedanke

Das Kinderhaus Neumüller will Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit zur Entwicklung einer eigenverantwortlichen, selbstständigen und am Gemeinwesen orientierten Persönlichkeit geben.

Da der Ausgangspunkt allen menschlichen Lebens die Familie ist, bietet das Kinderhaus Neumüller seinen Bewohnern in überschaubaren Gruppen einen am familiären Leben orientierten Rahmen, der sie schützt und die Möglichkeiten für individuelle Förderung und Erziehung bietet.

Einige Kinder und Jugendlichen benötigen individuelle Betreuungsformen mit einer engen Bezugsanbindung. Dieses betrifft Kinder und Jugendlichen mit Wahrnehmungsstörungen und anderen physischen wie psychischen Beeinträchtigungen.

Für Kinder und Jugendliche mit einer derartigen Problematik hat das Kinderhaus Neumüller das pädagogische Angebot „Pflege-Familie“ entwickelt, welches Ihnen in dieser Leistungsbeschreibung beschrieben wird.

Leitbild

Ausgehend von einem humanistischen Menschenbild, will das Kinderhaus Neumüller mit den ihm anvertrauten Kindern und Jugendlichen in einer familienähnlichen Gemeinschaft zusammenleben. In dieser wird jedem Kind freundlich und wertschätzend begegnet, seine individuelle Persönlichkeit angenommen und auf seine Selbstbildungskräfte vertraut bzw. diese gefördert.

Leistungsangebot „Pflegefamilie“

Zielgruppe

  1. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (von Geburt bis maximal 21 Jahre), deren individuelle Erziehung und Entwicklung auch mit stützenden und ergänzenden Hilfen im Herkunftsmilieu nicht gesichert ist, da die Problembelastung in den Familien, bzw. die Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten bzw. -störungen bei den Betroffenen gravierend und vielschichtig sind;

  2. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (von Geburt bis maximal 21 Jahre), die eine Unterbringung in einer stationären Einrichtung der Jugendhilfe ablehnen;

  3. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (von Geburt bis maximal 21 Jahre), die seelisch behindert oder von seelischer Behinderung bedroht, geistig behindert und / oder körperbehindert sind;

  4. ältere Jungendliche und junge Erwachsene, die nicht mehr in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe oder in der Ursprungsfamilie bleiben wollen bzw. können und einen Unterstützungsbedarf haben;

    Ziele

In einem familiären Rahmen erlebt der junge Mensch intensive Bindung und Beziehung zu einer gleichbleibenden Bezugsperson, wodurch er:

    • im familiären und professionellen Rahmen den nötigen Schutz, Geborgenheit und Liebe erhält

    • sich mit seinen Stärken und Schwächen angenommen fühlt

    • eine Stärkung seines Selbstwertgefühles erlebt und Vertrauen aufbaut

    • bisherige Verhaltensmuster kritisch überprüft und Neue erlernt

    • sich mit seiner eigenen Lebensgeschichte auseinandersetzt und versöhnt

    • eine ihm angemessene Förderung der Lern- und Leistungsfähigkeit erfährt

    • ein gesellschaftsfähiges Werte- und Normensystem erlebt und erlernt

    • Hilfen zu einer eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Lebensführung erhält

    • Unterstützung, Begleitung und engmaschige Betreuung im Bereich der Beeinträchtigung (z.B. Diabetes Typ 1) erhält

    • ein konstruktives und dauerhaftes Beziehungsangebot erlebt, dass den Weg in die Verselbstständigung öffnet

    • soweit möglich, Vorbereitung auf die Rückführung in die Herkunftsfamilie bzw. in die Gruppe

       

    • gesetzliche Grundlagen

Rechtliche Grundlage der Arbeit in den Pflege-Familien ist der §33 aus dem Kapitel zwei des achten Buches der Sozialgesetzbücher (Kinder- und Jugendhilfe).

Leistungsmerkmale der Familienberater/ innen

  1. Ausbildung / Qualifikation

Die Familienberater/ innen verfügen über eine abgeschlossene pädagogische Grundausbildung/ Studium. Eine auf Beratung ausgerichtete Zusatzausbildung ist ein weiterer verbindlicher Bestandteil der Qualifikation des Familienberaters. Des weiteren können mindestens 3 Jahre Berufspraxis in der stationären Jugendhilfe nachgewiesen werden.

  1. Akquise, Vorbereitung und Qualifizierung der Pflegeeltern

Bei der Auswahl von geeigneten Familien richten sich die Familienberater/ innen nach fachlichen Standards und der eigenen Intuition. Bereits vor Teilnahme am Vorbereitungskurs überprüft der Familienberater das Vorhandensein bestimmter Ausbildungen/ Berufserfahrungen/ persönlicher Erfahrungen, das Einfühlungsvermögen und klärt die Motivation der interessierten Pflegefamilie. Schätzt der Familienberater die persönlichen und sozialen Kompetenzen als angemessen ein, bietet er die Teilnahme am Vorbereitungskurs an. Erst nach Abschluss des Vorbereitungskurses entscheidet der Familienberater, ob es zu einer Aufnahme kommt.

  1. Vorbereitung/ Durchführung des Anbahnungsprozesses

Der Familienberater begleitet und organisiert den gesamten Prozess der Anbahnung. Er bereitet die Pflegeeltern auf ihre Aufgabe und die spezifischen Besonderheiten des aufzunehmenden Kindes/Jugendlichen vor. Zudem trifft er Absprachen mit allen Beteiligten Personen und Institutionen (z.B. Jugendamt, soziale Einrichtung, Herkunftsfamilie etc.) und stellt eine Vermittlungsposition dar.

  1. Begleitung, Beratung und Unterstützung der Pflegeeltern

Der Familienberater begleitet die Pflegefamilie während des gesamten Betreuungsprozesses. Er bietet regelmäßig stattfindende Beratungskreise mit weiteren Pflegefamilien, individuelle Einzelfallberatung und Unterstützung / Organisation in besonderen Belastungs- und Krisensituationen.

  1. Begleitung der Kinder/ Jugendlichen

Der Familienberater arbeitet intensiv an einer vertrauensvollen Beziehung zu den Kindern/ Jugendlichen und ist auch für diese bei Fragen und in Krisensituationen stets erreichbar und Ansprechpartner. Zwei mal jährlich finden gezielte Wochenendtouren statt, in der die Kinder/ Jugendlichen unabhängig von den Pflegeeltern zeit und Raum haben, das Gespräch mit dem Familienberater zu suchen.

Umgangskontakte werden vom Familienberater vorbereitet und bei Bedarf begleitet.

  1. Vorbereitung/ Durchführung von externen Kontakten

Der Familienberater pflegt die Kontakte zu allen Fallbeteiligten Personen wie z.B. Jugendamt, Herkunftsfamilie. Bei der Vor- und Nachbereitung von Hilfeplangesprächen unterstützt er die zuständige Pflegefamilie.

Je nach Bedarf hat der Familienberater bei der Kooperation mit Schulen, Therapeuten und anderen Einrichtungen eine mitwirkende Funktion.

Leistungsmerkmale der Pflegeeltern

  1. Qualifikation/ Vorbereitung der Pflegeeltern

Für die Betreuung von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen wird in der Regel der Abschluss einer pädagogischen Ausbildung oder entsprechende Erfahrung vorausgesetzt. Für die Betreuung von chronisch kranken Kindern mit besonderem Betreuung-/ Pflegebedarf wird ein medizinischer oder pflegerischer Abschluss oder entsprechende Erfahrungen vorausgesetzt. In Einzelfällen reicht die Bereitschaft zur Nachqualifikation.

Weitere Voraussetzungen sind die Teilnahme am Vorbereitungskurs (56 Stunden bei Pflegeeltern ohne beruflichen Abschluss; 30 Stunden bei Pflegeeltern mit fachlicher Qualifizierung, bei Aufnahme eines Kindes nochmal 30 Stunden in Bezug auf das Störungsbild/ die Beeinträchtigung des einziehenden Kindes) und die Vorlage eines aktuellen polizeilichen Führungszeugnisses aller erwachsenen Haushaltsmitglieder.

  1. Unterbringung

Die Pflegefamilien stellen ein adäquates Einzelzimmer im eigenen Haushalt zur Verfügung. Dieses ist altersgemäß ausgestattet mit mindestens einem Bett, Schrank und Schreibtisch.

Des weiteren erhält das Kind/ der Jugendliche Zugang zu allen weiteren sachlichen Voraussetzungen die ein Kind/ Jugendlicher für seine angemessene Entwicklung in einer Familie benötigt.

  1. Betreuung des Kindes/ Jugendlichen

Die Pflegeeltern bieten einen strukturierten Erziehungsalltag, angepasst auf die altersgemäßen und individuellen Bedürfnisse des Kindes/Jugendlichen. Sie übernehmen die Erziehungsverantwortung im Alltag und gehen mit der Aufnahme eines Dauerpflegeverhältnisses implizit auch eine Schicksalsgemeinschaft ein, die über die rechtliche Grenze der Volljährigkeit hinaus geht.

Zunächst bieten die Pflegeeltern ein Bindungsangebot, welches von den Kindern/ Jugendlichen angenommen oder modifiziert werden kann. Die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Kinder /Jugendlichen stehen im Mittelpunkt und bestimmen das Tempo des Bindungsaufbaues. Langfristiges Ziel ist die Bildung einer tragfähigen, belastbaren zwischenmenschlichen Beziehung.

  1. Bereitschaft/ Verpflichtungen der Pflegefamilien

Die Pflegefamilien zeigen eine große Offenheit gegenüber Lern- und Entwicklungsprozessen, die sie in Zusammenarbeit mit den Familienberatern kontinuierlich erarbeiten und ihr eigenes Verhalten diesbezüglich selbstkritisch reflektieren.

Ebenso stehen sie einer vertrauensvollen Beziehung dem Familienberater positiv gegenüber und verpflichten sich, besondere Vorkommnisse und Informationen direkt dem zuständigen Familienberater zukommen zu lassen. Die Wahrnehmung des sog. Staatlichen Wächteramtes ist integraler und transparenter Bestandteil der Beratungarbeit. Die Pflegeeltern verpflichten sich zu einer intensiven und langfristigen Zusammenarbeit mit dem Familienberater.

Angebotene Fortbildungsveranstaltungen werden regelmäßig wahrgenommen.

Qualitätssicherung/ Fachliche Standards

Weiter- /Fortbildungen

Der Träger verpflichtet sich, den Pflegeeltern ein Fort-/ und Weiterbildungsangebot zu unterbreiten. Jedem Pflegeelternteil stehen jährlich mindestens 2 Elternseminare zu. Die Koordination und Planung von Seminartagen übernimmt der Familienberater. Es können interne wie auch externe Fortbildungsveranstaltungen besucht werden.

Ebenso verpflichtet sich der Träger den Familienberatern ein regelmäßiges Fort- / und Weiterbildungsangebot zu den Themen Kinderschutz, Beratung, Traumata, chronische Erkrankungen etc. zu unterbreiten.

Supervision

Die Familienberater erhalten regelmäßige Supervison durch einen externen Supervisor. Dies fördert die hohe fachliche Qualität, indem das eigene pädagogische Handeln sachlich hinterfragt und neue Lösungswege in der Arbeit mit den anvertrauten Kindern- und Jugendlichen erarbeitet werden.

Entlastung der Pflegefamilien

Die Vernetzung unter den regionalen Pflegefamilien ermöglicht eine gegenseitige Entlastung. Zudem bietet das Kinderhaus Neumüller in den Sommerferien die Möglichkeit einer gemeinsamen Freizeit für die anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Zwei mal im Jahr unternimmt der Familienberater einen Wochenendausflug mit einer Gruppe von anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Zudem ist es möglich in Krisensituationen nach individuellen Entlastungsmöglichkeiten zu suchen. Die Kooperation mit der Haupteinrichtung ermöglicht kurzfristige Entlastung.

Sicherung des Kindeswohls

Der Familienberater übernimmt die Funktion des staatlichen Wächteramtes. Diese Funktion wird mit einer großen Sorgfalt ausgeführt. Hierzu ist der Familienberater im regelmäßigen Kontakt mit den betreuenden Kindern/ Jugendlichen. Standards zur Überprüfung des Kindeswohls sind regelmäßige Hausbesuche (1x Monatlich), 2x jährlich stattfindende Wochenenden für die Kinder/ Jugendlichen ohne die Pflegeeltern und eine ständige Erreichbarkeit für die Kinder und Jugendlichen. Die Basis der Zusammenarbeit zwischen Kind/ Jugendlichem und Familienberater bildet ein hohes Maß an Vertrauen und die Übernahme von Verantwortung durch den Familienberater.

Kommentare sind geschlossen.